Günter Hannich: Ausblick auf Entwicklungstendenzen im Jahr 2016

22. Dezember 2015

Ausblick auf Entwicklungstendenzen im Jahr 2016

Vorbemerkungen
Für das Jahr 2016 erwarte ich umwälzende Änderungen. Nicht nur wirtschaftlich steht alles auf der Kippe, sondern auch politisch und gesellschaftlich kommen wir zunehmend in ein Desaster. An erster Stelle stehen jedoch die Bedrohungen durch einen Crash am Finanzmarkt.

Ein solcher Crash führt zum Zusammenbruch des Finanzsystems. Das hat zur Folge, dass nicht nur die Aktienkurse massiv einbrechen, sondern Banken wieder enorm unter Druck kommen bis hin zu vorübergehenden Bankenschließungen oder gar Konkursen von Banken. Vor so einem Crash standen wir zuletzt in der Finanzkrise 2008, als man nur um Haaresbreite einer Konkurswelle im Bankensektor entkommen ist. Damals waren es die Bürgschaften und Versprechungen der Staaten, die den Kollaps aufhielten. Heute sind die Staaten weltweit jedoch um nochmals vierzig Prozent höher verschuldet als zu dieser Zeit. Eine Rettungsaktion wie 2008 wird es deshalb nicht noch einmal geben können.

Gibt es einen Crash, der ähnlich ausfällt wie in der Finanzkrise 2008, dann wird das auch weitreichende Auswirkungen auf die gesellschaftliche und politische Lage haben und auch dort die instabile Situation eskalieren lassen. Deshalb ist der Blick auf das Finanzsystem und die voraussichtliche wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr von entscheidender Bedeutung.

Die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung 2016
Der China-Crash als Auslöser für die nächste Weltwirtschaftskrise
Schon 2015 bahnte sich mit den zunehmenden wirtschaftlichen Problemen Chinas eine dramatische Krise in der größten Volkswirtschaft der Welt an. Inzwischen sitzt das Land auf einer regelrechten Zeitbombe, die in den letzten 25 Jahren durch massive Verschuldung aufgebaut wurde. Allein zwischen 2009 und 2014 wurden zur Wirtschaftsankurbelung Kredite in Höhe von 21 Billionen US-Dollar vergeben. Solche hohen Schuldenquoten endeten bisher früher oder später immer in einem Crash.

Doch auch die Wirtschaft insgesamt läuft in China schon lange nicht mehr rund. So sind die Exporte allein im November im Jahresvergleich um 6,8 Prozent eingebrochen – das ist der fünfte Rückgang in Folge. Die Importe nahmen mit 8,7 Prozent sogar schon den 13. Monat in Folge ab.
Diese Zahlen zeigen schon deutlich, dass China massive wirtschaftliche Probleme hat, und dass sich die Konjunktur erheblich abkühlt. Die von der chinesischen Regierung angestrebte Wachstumsrate von sieben Prozent ist damit schon lange mehr Wunschdenken als Realität.

Wie massiv der Wirtschaftseinbruch dort sein muss, zeigt auch die Entwicklung der Rohstoffpreise. Da China der größte Rohstoff-Importeur weltweit ist, hängen die Preise für Rohstoffe zum Großteil vom Import dieses Landes ab! So steht beispielsweise Eisenerz inzwischen mit nur noch 39 Dollar pro Tonne auf dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise 2008. Noch vor einem Jahr kostete die Tonne Eisenerz 70 Dollar. Ähnliches sieht man auch bei anderen Industriemetallen wie Kupfer und Nickel, aber auch bei Rohstoffen wie Gummi oder Stahl.

Die Rohstoffe, sowie der stark rückläufige Außenhandel Chinas belegen somit, dass die vom dortigen kommunistischen Regime behaupteten sieben Prozent Wirtschaftswachstum schlicht nicht stimmen können. Die Wirtschaft des Landes leidet in Wirklichkeit schon lange unter einem rückläufigen Wachstum. Wenn die tatsächliche Entwicklung nicht mehr kaschiert werden kann, dann wird es eine weltweite Krise geben.

Auch Griechenland veröffentlichte lange Jahre optimistische, besser gesagt gefälschte Zahlen, bis das Kartenhaus 2010 in sich zusammenbrach und damit die Eurokrise auslöste, die bis heute anhält. Ähnlich wird es mit China gehen, wenn dessen bislang von Zweckoptimismus geprägten Veröffentlichungen über die konjunkturelle Lage von der Wirklichkeit eingeholt werden. Dann gerät das Land nicht nur in eine dramatische Konjunkturkrise, sondern auch in eine massive Schuldenkrise. Und es reißt dann die ganze Welt mit sich in diesen Schlamassel hinein.

Doch nicht nur China ist eine Bedrohung, auch alle anderen Zeitbomben im Finanzsystem sind noch keineswegs entschärft. An erster Stelle steht hier die Eurokrise.

Eurokrise – das Ende des Euros
Auch wenn es so aussieht, als wäre der Euro gerettet, sind die Probleme nach wie vor nicht gelöst. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nur durch einen tiefen Griff in die Trickkiste den Euro-Crash aufgeschoben. Doch keines der Probleme des Euros wurde behoben. Insbesondere gilt dies für die Tatsache, dass die am Euro beteiligten Staaten von ihrer ökonomischen Kraft her nach wie vor überhaupt nicht zusammenpassen. Daran ändern weder Anleiheaufkäufe noch vermehrte Kredite an die Banken etwas. Und diese nicht lösbaren Probleme werden dem Euro letztlich das Genick brechen.

Doch die zwangsläufig wieder ausbrechende Eurokrise hat gerade für Deutschland ernste Konsequenzen. Unsere Regierung ist seit dem Beginn der Eurokrise im Jahr 2010 umfangreiche Verpflichtungen eingegangen, die sich inzwischen auf etwa 1,5 Billionen Euro summieren (Stichwort „Rettungsschirme“). Das bedeutet: Wenn der Euro crasht, dann ist Deutschland allein aufgrund der daraus resultierenden massiven Ausfälle und Forderungen sofort bankrott. Hier tickt eine Zeitbombe, die jederzeit hochgehen kann.

Verbunden mit der Eurokrise ist auch das künstlich niedrige Zinsniveau, das sich nicht dauerhaft so halten lässt.

Zinswende – der Markt macht die Zinsen nicht die Notenbanken
Eine weitere Gefahr, die uns 2016 droht, ist die Zinswende, also der plötzliche Anstieg des Zinsniveaus. Solch eine Entwicklung wird den Finanzmarkt völlig einbrechen lassen, weil sich die meisten Anleger und Banken dauerhaft auf Niedrigzinsen eingestellt haben.

Ein verbreiteter Irrtum ist es heute, anzunehmen, die Notenbanken könnten die Zinsen administrativ am grünen Tisch „festlegen“. Das Einzige, worauf Notenbanken tatsächlich Einfluss haben, sind die Zinsen, zu denen Banken bei Ihnen Kredite aufnehmen können. Das hat aber mit dem langfristigen Marktzins nichts zu tun. Dieser wird am Markt und nirgendwo sonst gebildet, und zwar anhand der Marktlage.
Der Marktzins wird von den folgenden drei Komponenten bestimmt:

- Zinssatz
- Inflationszuschlag
- Risikozuschlag

Der Zinssatz wird durch Angebot und Nachfrage nach Krediten gebildet. Werden viele Kredite nachgefragt, dann steigt der Zinssatz, werden wenige nachgefragt, dann sinkt er. Hinzu kommt ein Inflationszuschlag. Die Bank will am Ende der Kreditlaufzeit nicht weniger Kaufkraft zurückbekommen, als sie ausgeliehen hat. Deshalb schlägt sie die zu erwartende Inflationsrate auf den Kreditzins auf. Ferner kommt ein Risikozuschlag hinzu, der das Ausfallrisiko des Kreditnehmers abdeckt. Ein solventer Kreditnehmer muss deshalb niedrigere Zinsen zahlen, als einer, der weniger solvent ist.

Die Zinsen sind heute nur deshalb so niedrig, weil die Kreditvergabe schrumpft, also immer weniger Kredite nachgefragt und vergeben werden. Weiterhin liegt die Inflationsrate praktisch bei null Prozent. Außerdem ist das Marktrisiko im Augenblick eher gering. Das alles hat aber mit den Aufgaben der Notenbanken rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil: Die Notenbanken folgen dem Marktzins, sie geben also keinen Zins vor.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was passiert, wenn es jetzt zu einem Crash kommt. In einem solchen Fall steigt auf einen Schlag das Marktrisiko und die Banken preisen das erhöhte Marktrisiko sofort in den Zins ein. Das heißt, die Zinsen erhöhen sich sprunghaft, egal, was die Notenbanken dann machen!
Solch drastisch steigende Zinsen werden jedoch sofort zu einem Anleihen-Crash führen, weil die Kurse der Anleihen massiv sinken. Parallel dazu kommt es zu einem Aktien-Crash, weil die derzeitigen Kurse nur bei niedrigen Zinsen haltbar sind. Doch ein Crash hätte noch viel weitreichendere Folgen: Er würde eine verhängnisvolle Deflationsspirale in Gang setzen.

Die Deflation kommt
Schon 2015 zeigten die sinkenden Rohstoffpreise deutlich, dass wir einer Deflation entgegengehen. Selbst mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln schaffen es die Notenbanken weltweit nicht mehr, eine Inflation zu erzeugen. Auch die EZB ist nicht in der Lage, mit ihrer Liquiditätspolitik die Inflationsrate deutlich über null Prozent zu erhöhen. Dasselbe gilt für andere Länder wie beispielsweise Japan.

Wenn es in einer solchen Situation zu einem Crash kommt, dann werden die Verbraucher aus Angst vor der Zukunft sofort den Konsum einschränken – es kommt zum „Angstsparen“. Ein rückläufiger Konsum führt jedoch zwangsläufig dazu, dass die Unternehmen in einen ruinösen Wettbewerb eintreten und versuchen, durch Preissenkungen ihren Marktanteil zu halten. Ein rückläufiges Preisniveau bewirkt jedoch keinesfalls eine Belebung des Marktes, sondern führt dazu, dass die Verbraucher in Erwartung noch weiter fallender Preise weiter Kaufzurückhaltung üben und damit ihren Konsum weiter einschränken. Eine verhängnisvolle deflationäre Abwärtsspirale kommt in Gang, an deren Ende Konkurse von Banken und anderen Unternehmen, sowie Massenarbeitslosigkeit stehen.

Besonders katastrophal wird es dann für die Besitzer von Hypothekendarlehen! Weil die Einkommen sinken, können immer weniger von ihnen ihre Kredite tilgen. Eine Welle von Zwangsversteigerungen kommt in Gang und je mehr Immobilien zwangsverkauft werden, umso mehr sinken durch das entstehende Überangebot auch hier die Preise. Das führt dazu, dass auch Kredite, die Hypothekenschuldner noch bedienen, von den kreditgebenden Banken gekündigt werden, weil der Immobilienwert den Kreditwert nicht mehr absichert. Die Bank ist dann berechtigt, Nachforderungen zu stellen oder den Kreditvertrag zu kündigen.

Mit einer Deflation ist deshalb automatisch auch ein Immobilien-Crash verbunden. Und bei den heute überzogenen Immobilienpreisen wird dieser sehr massiv ausfallen. Dieser kommende Crash im Wirtschafts- und Finanzbereich wird jedoch keineswegs auf diese beiden Sektoren beschränkt bleiben. Vielmehr wird er auch zu krisenhaften Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Politik weltweit führen.

Gesellschaftliche und politische Bedrohungen
Terroranschläge
Mit den Anschlägen in Paris 2015 wird das Thema Terrorismus auch in Deutschland immer brennender. Bereits jetzt geht der Verfassungsschutz davon aus, dass über 1.100 islamistische Gefährder im Land leben. 430 davon seien so gefährlich, dass jederzeit mit schweren Straftaten durch sie zu rechnen sei.
Wegen der Teilnahme Deutschlands am Krieg in Syrien steigt zudem die Gefahr, dass auch bei uns islamistische Terrorgruppen Anschläge verüben. Doch es kommt noch schlimmer: Der bis November 2008 als Burda-Vorstandsmitglied tätige Publizist Jürgen Todenhöfer verbrachte im Dezember 2014 als erster westlicher Journalist rund eine Woche beim IS in Mossul. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen schloss er, dass diese Terrororganisation plane, weltweit 150 bis 500 Millionen Menschen zu töten. Der Westen unterschätze seiner Ansicht nach den IS vollkommen.

Auch wenn die von Todenhöfer genannten Opferzahlen übertrieben sein sollten, die dafür erforderlichen schweren Anschläge wären meiner Ansicht nach durchaus möglich. Vertrauenswürdigen Informationen zufolge sollen IS-Terroristen z. B. versuchten, radioaktive Substanzen zu kaufen, um damit „schmutzige Bomben“ zu bauen. Solche Terrorakte hätten nicht nur massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Finanzsystem, sondern vor allem auch auf das gesellschaftliche Leben insgesamt.
Nicht zu vergessen ist auch die steigende Kriegsgefahr.

Steigende Kriegsgefahr
Schon seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2014 verschärfen sich die Spannungen zwischen Russland und dem Westen immer weiter. Hinzu kommt der seit Mitte 2014 massiv fallende Ölpreis, der von bis dahin über Jahre stabilen 110 Dollar pro Barrel auf inzwischen weniger als 40 Dollar pro Barrel Ende 2015 zurückging. Das bringt Russland – neben den Sanktionen des Westens –wirtschaftlich massiv unter Druck. Das Land finanziert die Hälfte seines Staatshaushalts über Ölverkäufe und bräuchte dafür mindestens einen Ölpreis von 90 Dollar pro Barrel.

Das führt dazu, dass die Wirtschaft schon 2015 um fast vier Prozent schrumpfte. Dieser Rückgang wird bei einem weiter sinkenden Ölpreis 2016 noch schärfer ausfallen. Wenn erst eine weltweite Wirtschaftskrise in Gang kommt, wird sich der Ölpreis nämlich noch weiter reduzieren. Dadurch stünde Russland mit dem Rücken zur Wand. Das erhöht die Neigung, durch den Einsatz militärischer Mittel von den wirtschaftlichen Problemen abzulenken.

Russland ist jedoch keine unbedeutende Militärmacht, sondern schon heute die größte Atommacht der Welt, noch deutlich vor den USA. Auch bei den konventionellen Waffen ist Russland zumindest in Europa dem Westen haushoch überlegen. 50.000 modernen russischen Panzern stehen nur wenige tausend Panzer des Westens gegenüber.

Mit dem Militäreinsatz Russlands in Syrien 2015 erhöht sich die Kriegsgefahr weiter. Bereits Ende 2015 kam es zu einem Zwischenfall, als ein russisches Militärflugzeug in türkischen Luftraum eindrang und von der Türkei abgeschossen wurde. Solche Zwischenfälle werden sich verstärken und die Kriegsgefahr weiter erhöhen.

Insbesondere wenn es zu einem neuen Crash im Finanzsystem kommt, steigt die Kriegsgefahr. Eine erneute Verarmung der russischen Bevölkerung, ähnlich der Russlandkrise in den 1990er Jahren, wird dort die Kriegsstimmung anheizen und ein Krieg ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Zusammenfassung
Sie sehen, dass die Bedrohungen sowohl für die Wirtschaft und das Finanzsystem, als auch für die Gesellschaft und den Frieden beträchtlich sind. Dabei ist es keine Frage, ob es zu einem Crash kommen wird, sondern nur wie lange es noch dauert.

Über Jahre und Jahrzehnte wurden zunehmende Spannungen erzeugt und Probleme nur unter den Teppich gekehrt, statt sie zu lösen. Das wird sich früher oder später rächen und zu einer „Megakrise“ führen. Die Vorzeichen für 2016 sind mit den Problemen in China, der ungelösten Eurokrise, der drohenden ‚Zinswende und dem völlig aufgeblasenen Aktienmarkt sehr ungünstig und das Risiko hoch, dass diese Krise gerade 2016 beginnt.
Das heutige Finanzsystem ist instabil und wird kollabieren, darüber sollten Sie sich keine Illusionen machen.

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